Es ist schon gute Tradition: In Berlin organisiert das Bündnis Kindersoldaten zum 12. Februar eine Bundespressekonferenz und demonstriert vor Reichstag oder Kanzleramt gegen den Einsatz von Kindern in Kriegen, bzw. gegen Minderjährig bei der Bundeswehr und Exporte von Kleinwaffen.

Presseerklärung Deutsches Buendnis Kindersoldaten

 

Innocent Opwonya, ehemaliger Kindersoldat

“Ich wurde in einer Zeit geboren, in der Krieg im Norden von Uganda herrschte. Der Auslöser dieses Krieges, der schon seit 1986 wütete, war der Putsch und der Sturz der Regierung von Uganda durch den heutigen Präsidenten. Erzählungen zufolge begann dieser Krieg als eine friedliche Demonstration, welche von einem Mann namens Joseph Kony angeführt wurde. Diese Demonstration gegen die massenhafte Tötung von unschuldigen Menschen während des Putsches weitete sich später zum bewaffneten Kampf der Lord Resistance Army (LRA) aus, der sogenannten Widerstandsarmee des Herrn. Schüsse gehörten zu meiner Kindheit dazu und es war ungewöhnlich, wenn an einem Tag kein einziger Schuss fiel. Es war ein normales Leben, wenn nicht sogar ein perfektes Leben für ein Kind, das nichts anderes kannte als Krieg. Als mein 10. Geburtstag nahte, trat der Teufel über meine Türschwelle. In 2000 wurde ich mit der harten Realität konfrontiert.”

Statement_RHD19_Innocent_Opwonya

 

Ralf Willinger, terre des hommes Deutschland e.V., Sprecher Deutsches Bündnis Kindersoldaten

„Anstelle des glamourösen, heroischen Umfelds, das ihnen in der Militärwerbung versprochen wurde, finden Minderjährige [beim Militär] harte Bedingungen, Mobbing, Demütigung als Mittel zur Kontrolle, Einschränkung der Bewegungsfreiheit und, noch wichtiger, Einschränkung der Meinungsfreiheit vor. Glaubt wirklich jemand, dass das Militär ein Ort für Diskussionen und eine gute individuelle Entwicklung ist? Ist es nicht eher ein Ort, an dem man lernt, reflexhaft zu gehorchen? Um zu lernen zu funktionieren und um zu gehorchen ohne zu denken? Um eine Berufsausbildung für die Bedürfnisse der Armee zu haben und keine für die zivile Arbeitswelt?“

Statement_RHD19_Ralf_Willinger

 

Virginia Gamba, the Special Representative of the UN Secretary General on Children in Armed Conflict:

Red Hand Day serves to focus our attention on all the children that are suffering today as they are physically and emotionally coerced to protracted conflict. They are double victims: they will be victimized by the violence they will see and suffer, and they will be victimized once more by soci-ety, if they manage to escape this trauma alive. They become marked children -another Red Hand on the wall of our conscience -because we did not do enough to prevent this situation and we did not do enough to better protect, rescue and reintegrate those that survive.”

Weiterlesen: Statement Virginia Gamba

 

David Gee von Child Soldiers International sagte über den Einsatz von Minderjährigen in Armeen:

“Sind sie erst einmal eingezogen, sind die jungen Rekrutinnen und Rekruten Dienstbedingungen ausgesetzt, die im zivilen Leben für Menschen jedes Alters ungesetzlich wären. Häufig umfasst dies auch eine Mindestdienstzeit, die mehrere Jahre betragen kann. Von dem Moment ihrer Ankunft an, müssen sich neue Rekruten einem intensiven Trainingsprogramm unterziehen, das absichtlich so konzipiert ist, sie unter chronischen psychologischen Stress zu setzen. Absoluter Gehorsam wird durch harte Disziplin durchgesetzt – Mobbing und Demütigungen durch Ausbilder sind üblich. Wenn Zivilistinnen und Zivilisten solche Methoden anwendeten, würden sie für die Misshandlung von Kindern am Arbeitsplatz inhaftiert werden.”

Weiterlesen Statement von David Gee

 

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten und Child Soldiers International stellten die Studie »Why 18 matters – eine Analyse der Rekrutierung von Kindern« vor. Demnach halten mehr als drei Viertel aller Staaten den 18-Jahre-Standard bei der Rekrutierung ein und verzichten auf die Einstellung minderjähriger Soldaten. Unter den wenigen Ländern, die Minderjährige noch in großer Zahl in ihre Armeen aufnehmen, sind nur drei Industrieländer: die USA, Großbritannien und Deutschland. In Deutschland wurden im Jahr 2018 genau 1.679 17-jährige Soldatinnen und Soldatenrekrutiert, etwas weniger als im Vorjahr, aber immer noch mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2011.

Why 18 matters – Analyse der Rekrutierung von Kindern deutsche Fassung