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Aktion Rote Hand 2.0

Wir haben durch Corona große Probleme, die Kinderrechtsthemen aktiv in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu bringen. Aber die Kinder in gefährlichen oder menschenunwürdigen Situationen sind nun eher ungeschützter, weil nicht mehr hingesehen wird. Wir sind mit uns beschäftigt.

Vor allem Jugendliche fragen danach, was sie tun können. Wir wollen eine Form versuchen, die relativ leicht umgesetzt werden kann. Mit dem ZOOM-Programm können wir bis zu 100 Personen zusammenschalten.

Die Idee ist, dass sich Einzelpersonen anmelden und dann – je nachdem wie unsere Erfahrungen beim Test sind – in z.B. 30er Gruppen zusammengefasst die Aktion durchführen. Schöne an dieser Variante ist, dass es sich leicht mit einem Webinar zum Thema Kindersoldaten verbinden lässt, an dessen Ende die Aktion Rote Hand durchgeführt wird, also so, wie wir es hundertmal in Schulen durchgeführt haben.

 

Beteiligt euch bitte an einem 1. Versuch:

Wir laden euch ein in eine gemeinsame Sitzung des Webmeeting-Programms ZOOM. Es ist zunächst einmal die Möglichkeit, sich über die Fortentwicklung der Aktion Rote Hand auszutauschen und Ideen zu entwickeln, wie diese traditionell sehr haptische Aktion auch zu Coronazeiten weitergeführt werden kann.

Den Ablauf, wie wir die Aktion bisher durchgeführt haben, findet ihr hier.

 

Vorbereitung auf das Webmeeting

Die klassische Form ist natürlich, dass ihr eure Hand rot färbt und sie während der Aktion in die Kamera haltet. Wenn ihr dabei kein Problem damit habt, auf dem Screenshort oder im Video, das bei der Aktion entsteht, erkannt zu werden, schaut ihr in die Kamera. Bei vielen Aktionen haben die Jugendlichen den Kopf abgewandt, so dass sie nicht zu erkennen waren.

Praktischer wird für die Meisten der vorgefertigte rote Handabduck (siehe Foto oben rehts) sein, den ihr hier (ROTER HANDABDRUCK) im PDF-Format öffnen und ausdrucken könnt. Darauf könnt ihr mit dicken Filzschreibern eure Botschaft und euren Namen schreiben. Auch hier ist es möglich das Gesicht zu verdecken, indem ihr das Blatt vor das Gesicht haltet.

Die ZOOM-Aktion dauert 15 Minuten. Nach einer kurzen Einleitung zeigen alle ihre roten Hände in die Kamera und die Aufzeichnung beginnt. In der Reihenfolge der Bilder sagen alle ihr kurzes Statement oder ihre Forderung.

Missbrauch von Mädchen als Kämpferinnen anprangern!

Deutsches Bündnis Kindersoldaten prangert Missbrauch von Mädchen als Kämpferinnen an

Presseerklärung des Deutschen Bündnis Kindersoldaten:

Berlin, 11.02.2020 – Anlässlich des diesjährigen Red Hand Day fordert das Deutsche Bündnis Kindersoldaten, die Situation der zwangsrekrutierten Mädchen in den Blick zu nehmen. Weltweit werden in bewaffneten Konflikten etwa 250.000 Kinder zum Kämpfen gezwungen, darunter auch viele Mädchen. »Sowohl reguläre Armeen als auch nichtstaatliche Rebellengruppen rekrutieren Kinder und Jugendliche als Kämpferinnen und Kämpfer, Spione oder Hilfskräfte für die Truppen«, erklärte Thomas Berthold, Kinderrechtsexperte von terre des hommes und Sprecher des Bündnisses. »Da der Begriff des Kindersoldaten meist mit männlichen Kämpfern verbunden wird, ist es höchste Zeit, auf das dramatische Schicksal der Mädchen aufmerksam zu machen, deren Anteil je nach Konflikt zwischen fünf und 20 Prozent der insgesamt eingesetzten Kindersoldaten schwankt.«

»Die besonders verletzliche Situation von zwangsrekrutierten Mädchen wird von den Offizieren und Warlords systematisch ausgenutzt. Mädchen sind nicht nur häufig Opfer sexueller Gewalt, sondern sie übernehmen auch dieselben Aufgaben wie Jungen und werden wie sie oft körperlich und psychisch misshandelt«, so Frank Mischo, Kindernothilfe-Experte und Sprecher des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten. Für viele Mädchen und junge Frauen ist es extrem schwierig, die Gruppen und Armeen wieder zu verlassen, sie stehen unter massivem Druck.

Zudem ist die Reintegration in die vorherigen Lebenssituationen schwierig: Die Betroffenen werden stigmatisiert, ohne soziale Absicherung sind sie weiter besonders verletzbar. Trotz vieler bekannter Berichte über die Situation der betroffenen Mädchen und jungen Frauen fehlt weiter eine systematische und umfassende Aufarbeitung. »Die Lebenssituationen vieler Mädchen werden einfach vergessen – darauf machen wir am diesjährigen Red Hand Day aufmerksam«, so Frank Mischo.

Die Bundesregierung ist aufgefordert, ihre Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat zu nutzen und die Mittel für die Rehabilitation ehemaliger Kindersoldatinnen zu erhöhen, um ihnen eine Rückkehr in ein ziviles Leben zu erleichtern. »Auf allen politischen Ebenen müssen Verantwortlichkeiten gegenüber den Mädchen wahrgenommen werden: Internationales Recht muss durchgesetzt, Präventions- und Reintegrationsprogramme müssen verstärkt werden«, forderte Thomas Berthold.

Am 12. Februar 2002 ist das Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten in Kraft getreten, das den Einsatz von unter 18-Jährigen in bewaffneten Konflikten verbietet. Seitdem gilt der Tag als internationaler Tag gegen den Einsatz von unter 18-Jährigen als Soldaten. Anlässlich dieses »Red Hand Days« ruft das Deutsche Bündnis Kindersoldaten gemeinsam mit zahlreichen Organisationen weltweit zu Aktionen mit dem Symbol der roten Hand auf.

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Verantwortlich für den Inhalt: Günter Haverkamp

Redaktion:
Günter Haverkamp
Julitta Münch

Aktion Weißes Friedensband e.V.
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Tel. 0211-7888875
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Tipps zur Aktion Rote Hand

Kolumbien: Frieden und nun?

Artikel von Ramona Markmiller – 31. März 2019

An dem aktuellen Beispiel Kolumbien lässt sich zeigen, welche weitreichenden Folgen der Einsatz von Kindersoldat*innen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, ihre Familien sowie die gesamte Gesellschaft und den Staat hat.

Überblick: Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien

Nachdem Kolumbien bereits zwischen 1948 und 1953 eine Phase extremer Gewalt („La Violencia“ genannt) durchmachte, entstand in den Jahren 1964 bis 1966 ein über 50 Jahre dauernder bewaffneter Konflikt zwischen

  • den im Zuge von Landkonflikten entstanden, linken Guerillagruppen mit kleinbäuerlichen Wurzeln (FARC – „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ und ELN – „Nationale Befreiungsarmee“),
  • den rechten, Paramilitärs (v.a. Schutztruppen der Großgrundbesitzenden, aber auch der Drogenmafia; vom Militär unterstützt)
  • und dem kolumbianischen Militär.

Wer die Entstehung des Konflikts verstehen möchte, muss die vielfältigen Konfliktursachen näher in den Blick nehmen:

  • Die extreme soziale Ungleichheit, die sich in einer ungleichen Landverteilung (massenhafte Vertreibung von Kleinbäuer*innen durch Unternehmen und Großgrundbesitzende) und extremer Armut großer Teile der Bevölkerung widerspiegelt.
  • Der Mehrheit der kolumbianischen Bevölkerung wurde die politische Teilhabe aufgrund eines festgefahrenen politischen Systems verwehrt (fehlende Opposition und kaum politische Partizipationsmöglichkeiten förderten Klientelismus und Korruption).
  • Rechtsstaatliche Mechanismen versagen und politische Institutionen verlieren immer mehr an Glaubwürdigkeit (u. a. als Folge von Korruption und Nepotismus).
  • Rasantes Verbreiten des Drogenhandels seit den 1970er Jahren.

Die Konsequenzen dieser Faktoren sind erschreckend: der kolumbianische Staat hatte de facto „zu keinem Zeitpunkt seiner Existenz das Gewaltmonopol über das gesamte kolumbianische Territorium inne und nie eine effektive Gebietsherrschaft ausgeübt“ (Naucke/ Halbmayer 2011: 130) – die Guerilla (v. a. die FARC) fungierte in den marginalisierten ländlichen Regionen als Ersatz.

Immer wieder wurden Verhandlungen mit der FARC-Guerilla aufgenommen, die jedoch erfolglos blieben. Erst der erneute Anlauf im Oktober 2012 führte zunächst im Jahr 2014 zu einem einseitigen Waffenstillstand aufseiten der FARC und schließlich in die Unterzeichnung eines Friedensvertrags am 26. September 2016 – aber leider nicht zum Frieden in der Realität. Zwar ist der Prozess der Entwaffnung und Demobilisierung der FARC und deren Umwandlung in eine politische Partei inzwischen abgeschlossen, jedoch haben verschiedene paramilitärische Gruppen die Lücke geschlossen, die die Guerilla hinterlassen hat – und damit geht die Gewalt weiter. Die Sicherheit von ehemaligen Guerilleros und ihrer Familien kann bislang nicht garantiert werden, weshalb die FARC-Partei im Februar 2018 ihren Wahlkampf um die Präsidentschaftswahlen einstellen musste. Besonders erschreckend ist die Zahl ermordeter Menschenrechtsaktivist*innen und Leader sozialer Bewegungen, die im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 45% anstieg (Schwarz/ Huck 2018). Auch wurden bislang kaum Forderungen des Friedensvertrags zur Lösung der Konfliktursachen in die Tat umgesetzt, weshalb viele Kolumbianer*innen sowie Menschenrechts- und Opferorganisationen die Bereitschaft der verschiedenen Akteure zur Umsetzung des Friedensvertrages anzweifeln. Hinzu kommt ein allgemeines Infragestellen der Umsetzbarkeit des Friedensvertrags.

Literatur zum historischen Überblick des bewaffneten Konflikts und Friedensprozesses in Kolumbien:

  • Blumenthal, Hans R. (2000): Träume vom Frieden, Realitäten des Krieges. In: Internationale Politik und Gesellschaft, 2, S. 146-159.
  • Huck, Alexandra (2017): Gerechtigkeit und Frieden für Kolumbien? Der bewaffnete Konflikt und Herausforderungen des aktuellen Friedensprozesses. Vortrag für den 6. Cologne Latin America Symposiom (CLAS) des connosco e.V.
  • Naucke, Philipp; Halbmayer, Ernst (2011): Radikale Neutralität als rechtmäßiger Widerstand? Zivile Friedensinitiativen in den Konfliktregionen Kolumbiens. In: Sociologus, 61 (2), S. 129-150.
  • Schwarz, Christiane; Huck, Alexandra (2018): Kolumbien. Online abrufbar unter: http://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/54621/kolumbien, zuletzt aufgerufen am 31.03.2019.
  • Weber, Hans (2018): Fortsetzung der Gewalt in Kolumbien. Online abrufbar unter: https://amerika21.de/analyse/215865/kolumbien-fortsetzung-gewalt, zuletzt aufgerufen am 31.03.2019.

Rekrutierung von Kindersoldat*innen in Kolumbien

Unter den vielen Herausforderungen des Friedensprozesses bleibt die Frage, wie mit den ehemaligen Kindersoldat*innen (v.a. der FARC) umgegangen werden soll. Schätzungen besagen, dass die FARC ca. 7.400 Kindersoldat*innen im Verlauf des Konflikts in ihren Reihen aufgenommen hat und im Schnitt 25 bis 35 Prozent der Guerillakämpfer jünger als 18 Jahre waren. An dieser Stelle ist anzumerken, dass nicht nur die Guerillagruppierungen der FARC und ELN Kindersoldat*innen im kolumbianischen Konflikt eingesetzt haben, sondern auch die Paramilitärs (ca. 20 Prozent der insgesamt eingesetzten Kindersoldat*innen).

Das Phänomen der Rekrutierung von Kindersoldat*innen ist schwer zu greifen, da hier verschiedene Faktoren und Strategien zusammen kommen. Zu betonen ist, dass Kindersoldat*innen sich nicht ausschließlich unter Zwang den bewaffneten Gruppen anschlossen, sondern sich zumeist „freiwillig“ dazu entschieden. Es müssen also vor allem die Rekrutierungsstrategien der Konfliktakteure sowie die sozio-ökonomischen und -politischen Rahmenbedingungen betrachtet werden, in denen die betroffenen Kinder und Jugendlichen aufgewachsen sind.

Die Kinder und Jugendlichen stammten oft aus ländlichen, marginalisierten Regionen, die verstärkt vom bewaffneten Konflikt und Armut betroffen waren und unter dem Einzugsgebiet der FARC standen. Oftmals wurden sie zusammen mit ihren Familien im Zuge des Konflikts aus ihren Heimatdörfern vertrieben. Neben dieser externen Gewaltkomponente erlebten auch viele der Kindersoldat*innen häusliche Gewalt und stammten aus zerrütteten Familienverhältnissen. Eine dürftige oder gar keine Schulbildung und somit fehlende Zukunftsperspektiven führten zusätzlich dazu, dass die Kinder und Jugendlichen den Eintritt in die Guerilla als einzige Chance zur Verbesserung ihrer ausweglosen sozialen Situation sahen. Diese Perspektivlosigkeit wurde von den Guerillatruppen ausgenutzt, indem sie den Kindern und Jugendlichen eine „Zukunftsperspektive“ vermittelten, die von den Kindersoldat*innen ein abgeschottetes, gehorsames Soldat*innenleben und das Töten von Mitmenschen verlangte. Die angewendeten Rekrutierungsstrategien umfassten laut einer Studie von Victoria Lugo (2018) v.a.:

  • Das in Aussicht Stellen von Lohn (v.a. von den Paramilitärs angewendet);
  • das Ausnutzen von Kindersoldat*innen, um andere Kinder und Jugendliche von einem Beitritt in die bewaffnete Gruppe zu überzeugen;
  • das Durchführen von Umfragen in Gemeinden und Schulen, um potenzielle Kindersoldat*innen auszuwählen;
  • direkte Kampagnen an Schulen, bei denen die Schüler*innen die Uniformen anprobieren und die Waffen ausprobieren „durften“ und ihnen von einem Neuanfang vorgeschwärmt wurde.

Besonders letztere Strategie, die direkte Rekrutierung an Schulen, eröffnet vor dem Hintergrund der prekären sozialen Lage der Kinder und Jugendliche eine besonders erschreckende Dimension. Bedenkt man, dass auch die Bundeswehr in Deutschland „Informationstage“ an Schulen anbietet, stößt dieser Aspekt sehr unangenehm auf.

Literatur zur Rekrutierung von Kindersoldat*innen im bewaffneten Konflikt Kolumbiens:

  • Lugo, Victoria (2018): Niños y jóvenes excombatientes en colombia: ¿por qué se vinculan y separan de la guerra? In: Athenea Digital, 18 (2).
  • Weber, Hartwig (2009): Kindersoldaten in Kolumbien. Online abrufbar unter: http://www.strassenkinderreport.de/index.php?goto=135&#zahlen, zuletzt aufgerufen am 31.03.2019.

Aktionstag im Leo-Statz-Berufskolleg

Die Hände wandern nach Berlin

Ein Ziel der Aktion Rote Hand ist bereits erfüllt: Die roten Hände sollen wandern! Sie sind nicht für den Papierkorb bestimmt, sondern sollen so viele Politiker*innen und gern auch Prominente in den Händen halten und lernen. Dienstag haben Josefine Paul und Stefan Engstfeld die roten Hände an den Bundestagsabgeordneten Sven Lehmann, GRÜNE (https://www.sven-lehmann.eu/) weitergegeben. Sven Lehmann ist Mitglied der Kinderkommission des Bundestages. Die Hände haben nun also die Bundesebene erreicht.

 

Die Übergabe der Rote Hände

Am Am 19.03.2019 um 13.00 Uhr konnten 40 Schüler*innen des Leo-Statz-Berufskolleg Düsseldorf ihre 420 roten Hände zwei Landtagsabgeordneten übergeben.

Josefine Paul nahm als jugendpolitische Sprecherin ihrer Fraktion und Stefan Engstfeld als Düsseldorfer Abgeordneter die vielen Aktionsblätter entgegen und erhielten von den Jugendlichen mit großem Ernst vorgetragene Bitten, sich stärker für die Kinder in Kriegen einzusetzen.

Josefine Paul sagte: “Es ist wichtig für uns Abgeordnete im direkten Kontakt mit Jugendlichen immer wieder den Auftrag zum Handeln zu bekommen!”

Ein Schüler meinte: “Gerade haben wir in Neuseeland gesehe, was es bedeutet, dass so viele Schusswaffen in Umlauf sind. Wir müssten viel mehr dagegen tun!” Das fand Stefan Engstfeld auch und versprach es weiterzugeben und noch einmal mehr anzugehen.

Ein Schüler aus Syrien erzählte mit bewegenden Worten vom Krieg, den er noch erlebte und der in unseren Medien fast vergessen sei. Das nahmen mehrere Jugendliche auf und machten klar, dass sie nicht verstehen können, dass die Politik und die Medien so kalt über die Ungerechtigkeiten und Kriege hinweg gehen.

Die beiden Abgeordneten versprachen, die roten Blätter und die mahnenden Worte der Jugendlichen mit in ihre Fraktion zu nehmen und in der nächsten Woche an Bundestagsabgeordnete mit der Bitte zu übergeben, sie wiederum weiter in Umlauf zu bringen.

Der Aktionstag

Mit dem Leo-Statz-Berufskolleg haben wir in der Vergangenheit schon viele Aktionen durchgeführt. Auch die Aktion Rote Hand war mehrfach dabei. So war eine Klasse des Berufskollegs 2015 im Landtag NRW dabei, als wir zwei Tage lange mit zwei Schulklassen (die zweite war eine Realschulklasse aus Kerpen) die Abgeordneten ansprechen.

In diesem Jahr haben wir zunächst am 28.01.2019 einen Workshop in einer Klasse im Fach Politik durchgeführt. Mit dem Film „Ich habe getötet“ wurde den Jugendlichen drastisch vor Augen geführt, wie wenig das Leben der Kindersoldaten mit virtuellen Vorlagen zu tun hat. Es herrschte große Betroffenheit vor allem über die Situation der Mädchen, die im Film sehr deutlich über ihre Erlebnisse sprachen.

Die Jugendlichen zeigten großes Interesse auch an den globalen Zusammenhängen. Immer wieder kamen wir aber auch nach Deutschland zurück. So diskutierten wir die Formen, mit denen die Bundeswehr schon sehr früh um die Jugendlichen wirbt. Aber auch die deutsche Kleinwaffenindustrie und ihre Exporte kamen zur Sprache.

Am Ende stand dann natürlich die Aktion Rote Hand, die wir im Klassenzimmer durchführten, damit die Jugendlichen wissen wie die Abläufe am Aktionstag sind. Die Wahl für den Aktionstag fiel auf den 7.2.2019, der heimliche Geburtstag von FRIEDENSBAND.

 

Der Aktionstag

Gut vorbereitet ging es am 07.02.2019 in den Aktionstag. Pünktlich um 8 Uhr standen die Tische mit Farbe, Farbschalen und Papier bereit und die Wäscheleinen hingen. Klassenweise kamen die Jugendlichen und hatten genug Zeit, informiert zu werden über das Thema Kindersoldaten und über die Aktion Rote Hand. Es gab spannende Diskussionen über die Bundeswehr, dass und wie sie bereits Minderjährige anspricht und dass gerade jetzt der Bericht über die traumatisierten Soldaten veröffentlicht wurde.

Auch das Thema Sport und Krieg, dass Kinder und Jugendliche immer wieder über den Sport für Kriege vorbereitet wurden und dass über die Sprache im Sport auch mal nachgedacht werden könnte.

Wir nahmen viele interessante Gedanken mit und haben – wie immer – von den Jugendlichen gelernt. So ist die Aktion Rote Hand entstanden und so hat sie sich immer weiterentwickelt.

 

Danke an die Lehrer*innen und vor alle an die gesamte Klasse. Wir fanden es sehr schön, dass sie in der Blitzabfrage zum Schluss dem Ganzen sehr guten Noten gaben, mehr davon forderten und vor allem toll fanden, dass sie so selbstständig agieren konnten.

 

Schwalm-Eder-Kreis

Im Schwalm-Eder-Kreis fanden sich mehrere engagierte Schulen, welche fleißig rote Handabdrücke gesammelt haben. Diese übergaben Vertreter der Melanchthon-Schule Steinatal, der Carl-Bantzer-Schule, des Schwalmgymnasiums, der Grundschule Am Metzenberg sowie der Theodor-Heuss-Schule am 25. Februar 2019 unserem Landrat, Herrn Winfried Becker.

Landrat Becker zeigte sich über das Engagement der Schülerinnen und Schüler sehr erfreut. Er wird die insgesamt 882 Handabdrücke bei nächster Gelegenheit der Europaabgeordneten für Nordhessen, Frau Martina Werner, übergeben. Durch sie sollen die roten Hände dann ebenso weitergegeben werden, an Menschen, die noch mehr Einfluss nehmen können. An wen genau, ist zurzeit noch unklar. Die Schüler hoffen, auch dazu eine kurze Rückmeldung zu bekommen.

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Forderungen der Aktion Rote Hand

Die Aktion Rote Hand tritt für die Forderungen ein, die das Deutsche Bündnis Kindersoldaten beschlossen hat:

Folgende Forderungen richten sich an Deutschland

♦ Stopp der Rekrutierung 17-Jähriger Minderjähriger in die Bundeswehr, Erhöhung des Mindestalters für Rekrutierung auf 18 Jahre

♦ Stopp von Werbung der Bundeswehr, die sich gezielt an Minderjährige richtet: an Schulen, in Jugendmedien, auf Jugendseiten im Internet, bei Sport-, Abenteuer- und Musikveranstaltungen für Minderjährige, etc.

♦ Friedenserziehung verbindlich in den Lehrplänen und in der Lehrerfortbildung verankern

♦ Gewährung von politischem Asyl und Unterstützung für geflüchtete Kindersoldaten oder Minderjährige, die vor einer Rekrutierung geflohen sind. Ein sicherer Aufenthaltsstatus, medizinisch und psychologische Versorgung sowie schulische und berufliche Bildung sind für sie lebenswichtig. Hier gibt es in Deutschland große Probleme.

♦ Stopp aller deutschen Rüstungsexporte (bes. Kleinwaffen), insbes. in Krisengebiete in denen Kindersoldaten eingesetzt werden. Deutschland ist hier als weltweit drittgrößter Waffenexporteur besonders in der Pflicht.

♦ Mehr Geld für Kindersoldaten-Hilfsprogramme: Die staatlichen Mittel für Präventions- und Reintegrationsprogramme für Kindersoldaten in Krisenregionen müssen deutlich erhöht werden.

 

Internationale Forderungen:

1. „Straight 18“: Kein Kind unter 18 Jahren darf in Armeen, bewaffneten Gruppen oder anderen militärischen Verbänden eingesetzt oder geschult werden. Dies gilt unabhängig von der Funktion (auch nicht ohne Waffe!) und unabhängig davon ob es unfreiwillig oder „freiwillig“ geschieht. Auch dürfen unter 18-Jährige prinzipiell nicht für Armeen oder bewaffnete Gruppen geworben werden. Alle Kinder unter 18 Jahren müssen aus Armeen und bewaffneten Gruppen entlassen werden und bei ihrer Rückkehr ins zivile Leben unterstützt werden.

2. Bestrafung der Verantwortlichen: Personen, Staaten und bewaffnete Gruppen, die Kinder rekrutieren, müssen öffentlich benannt und bestraft werden. Personen müssen vor dem Internationalen Strafgerichtshof oder vor nationalen Gerichten angeklagt werden. Staaten und bewaffnete Gruppen müssen öffentlich verurteilt werden (z. B. vom UN-Sicherheitsrat) und sanktioniert werden (wirtschaftliche Konsequenzen, Reiseverbote, Kontensperrungen.)

3. Versorgung, Schutz und Hilfe für geflohene Kindersoldaten: Medizinische und psychologische Versorgung, Schutz vor erneuter Rekrutierung, sowie schulische und berufliche Bildung sind für alle ehemaligen Kindersoldaten lebenswichtig – gerade auch wenn sie als Flüchtlinge in andere Länder kommen.

4. Gewährung von politischem Asyl: Ehemaligen Kindersoldaten muss in allen Ländern, in die sie geflohen sind, Schutz und politisches Asyl gewährt werden – natürlich auch in Deutschland und anderen Industrieländern.

5. Stopp von Waffenexporten: Waffen (insbesondere Kleinwaffen), Waffenteile oder Munition dürfen nicht mehr in Krisenregionen exportiert werden, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden. Auch die illegalen Umwege, über die (auch deutsche) Waffen in Krisenländer gelangen, müssen dicht gemacht werden: Stopp der Vergabe von Waffenproduktionslizenzen ins außereuropäische Ausland und Stopp des Exports von Waffen in Drittländer, die die Waffen in Krisengebiete weiterleiten.

6. Mehr Geld für Kindersoldaten-Hilfsprogramme: Die staatlichen und internationalen Mittel für Präventions- und Reintegrationsprogramme für Kindersoldaten müssen deutlich erhöht werden. In vielen Ländern mit Kindersoldaten gibt es keinerlei Mittel für solche Programme.

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