Definition (Deutsches Bündnis Kindersoldaten):

Kindersoldaten sind alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden oder wurden, egal in welcher Funktion oder Rolle. Darunter sind Kinder, die als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder zu sexuellen Zwecken benutzt werden. Ausdrücklich sind es nicht nur Kinder, die aktiv an Kampfhandlungen teilnehmen.

Wie werden Kinder zu Soldaten?

Je länger ein Krieg dauert, desto größer wird die Anzahl der Kinder, die die Lücken an der Front füllen müssen. Der Wert dieser Kinder nimmt immer mehr ab. Sie werden in Situationen gezwungen, in die kein erwachsener Soldat geschickt würde. Die meisten werden entführt und mit Gewalt gezwungen zu kämpfen. Die wenigsten gehen freiwillig zu einer bewaffneten Gruppe.

Was bedeutet es, Kindersoldat zu sein?

Neben Hunger und Durst erleiden die Mädchen und Jungen in den bewaffneten Gruppen und Armeen ein unvorstellbares Leid. Die Folgen sind für sie gravierend. Sie wachsen inmitten von Krieg und Gewalt auf und viele stumpfen ab. Die Mehrheit der Kindersoldat*innen bleibt ihr Leben lang traumatisiert. Sie haben keine Schulausbildung, werden von der Gesellschaft geächtet – die Zukunftsaussichten sind minimal.

Es sind jedoch DIESE Kinder, aus denen zukünftige Generationen wachsen, auf denen die Hoffnung liegt, Frieden zu schaffen in Ländern, die seit Jahrzehnten nichts anderes als Krieg und Gewalt erlebt haben. Aber wie können sie Frieden schaffen, wenn sie den Frieden gar nicht kennen und wenn jede Hoffnung aufgegeben hat? Das wird gerade in Bezug auf Syrien und Irak ein großes Problem werden.

Kindersoldaten in Deutschland

Hat das etwas mit unsere eigenen Geschichte zu tun? Auch in Deutschland gab es Jugendliche, die als Kindersoldat*innen kämpfen mussten und die Gesellschaft hat es zugelassen, dass ihre Kinder in den Tod geschickt wurden. In den letzten Jahren des 2. Weltkrieges wurden offiziell die 16jährigen in völlig sinnlose Gefechte geschickt. In den letzten Monaten waren es dann auch wesentlich jüngere. Für die Einbindung in den Unterricht können Sie vier Bilder von Kindersoldat*innen als A3-Poster bei uns bestellen. Mehr zum Thema

Begriffe und Bilder

Unser Bild vom Kindersoldaten ist geprägt vom kleinen Kämpfer, der entschlossen und meist mit Kalaschnikow für den Fotografen posiert. Nicht nur bei der erwachsenen Leserschaft kommen diese Bilder, oft mit Bezeichnungen wie „Killermaschinen“ gut an. Für unsere Jugendlichen schaffen wir damit Vorbilder, die nicht ungefährlich sind. Wir sollten daher aufpassen, ob wir diese Klischees bedienen.

Geflüchtete Jugendliche

In den letzten Jahren sind zahlreiche geflüchtete Jugendliche zu uns gekommen. Nicht wenige dieser Jugendlichen haben die Erfahrungen von Kampfhandlungen gemacht. Sie sitzen in unseren Klassen oder in Jugendgruppen und können meist nicht darüber sprechen.

Viele von ihnen haben Angst, nicht anerkannt und abgeschoben zu werden. Sie werden als Kindersoldat*innen anerkannt – wenn sie im Asylverfahren ihre schrecklichen Erlebnisse detailgenau schildern. Damit sind die meisten Jugendlichen überfordert. Sie sind schwer traumatisiert und können über bestimmte Erlebnisse zu diesem Zeitpunkt noch nicht sprechen, schon gar nicht mit einer ihnen völlig fremden Amtsperson und Sprache. Ihre Asylanträge werden dann wegen Unglaubwürdigkeit abgelehnt – spätere Schilderungen der Erlebnisse werden dann oft nicht mehr anerkannt. Die jungen Menschen, die es zu uns schaffen, brauchen dringend therapeutische Unterstützung und einen sicheren Schutz vor Abschiebung.

Das Zusatzabkommen zur UN-Kinderrechtskonvention

Die Vereinten Nationen legten zwar 2002 im Zusatzabkommen zur UN-Kinderrechtskonvention[1] fest, dass Kinder unter 18 Jahren vor Krieg und Gewalt geschützt werden sollen. Freiwillig dürfen jedoch immer noch 15-Jährige zur Armee. Auch Deutschland hat das Zusatzprotokoll nur unter dem Vorbehalt ratifiziert, dass das Mindestalter für Freiwillige bei 17 Jahren bleibt.

Artikel 1 verpflichtet die Vertragsstaaten sicherzustellen, dass Angehörige ihrer Streitkräfte, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, nicht unmittelbar an Feindseligkeiten teilnehmen.

Nach Artikel 2 soll niemand unter 18 Jahren im Rahmen der obligatorischen Wehrpflicht eingezogen werden. Menschenrechtsorganisationen fordern eine weltweite strikte Regelung auch für Freiwillige unter 18 Jahre.

[1] Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten