Friedrich Schuberth: Als Kindersoldat in den Zweiten Weltkrieg gezogen: „Ich war ein glühender Hitler-Anhänger“, gesteht er. „Wir wurden verführt und verheizt“, setzt er hinzu. Mit zehn tritt er beim Jungvolk ein. „Wir Jungs waren begeistert. Die HJ hat uns was geboten – Lagerfeuerromantik, sportliche Wettkämpfe, weg von den Eltern unter Freunden sein. Für uns war es die Freiheit und Abenteuer“. Bis heute schwärmt er von einem Besuch auf dem Segelschulschiff „Admiral von Trotta“ im Stettiner Haff.

Am 25. März 1945 wird er mit den anderen 16-Jährigen im Kulmbacher Vereinshaus auf den „Führer vereidigt“, anschließend „Jugendweihe“ auf dem Marktplatz. Drei Tage später – die US-Panzerspitzen stehen schon vor Aschaffenburg – wird er als „Kriegsfreiwilliger“ einberufen und einer Flak-Batterie bei Forchheim zugewiesen.

In einer Mischung aus Angst, Stolz und patriotischer Pflicht ist er für sechs Wochen einer der Kindersoldaten Hitlers, die in einen sinnlosen Abwehrkampf geschickt wurden. „Wir waren in unseren Gefühlen zerrissen, einer jahrelangen Gehirnwäsche ausgesetzt. Gottlob habe ich die Zeit heil überstanden“, sagt er.

Als er im Mai 1945 nach Kulmbach zurückkehrt, erfährt er von zwei Vorgängen, die sich ihm bis heute eingebrannt haben: Er wird zu einem Holzkreuz auf der Forstlahmer Höhe an der Alten Bayreuther Straße geführt. Er hört, dass hier sein HJ-Kamerad Siegfried Wölfel begraben liege.

Beim Einmarsch der US-Panzerdivision am 13. April 1945 habe er sich noch in einem Wehrmachts-Lkw befunden, den die Amerikaner unter Feuer genommen haben. Siegfried, der mittlere von drei Brüdern, die in der Blaicher Hermann-Limmer-Straße gewohnt haben, war ein guter Freund von ihm. „Irgendwann wurde er gezwungen, die SS-Junkerschule in Bad Tölz zu besuchen. Von da an verlor sich unser Kontakt“, sagt Fritz Schuberth.

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