Am 28. und 29. Januar 2015 konnte FRIEDENSBAND im Landtag von Nordrhein-Westfalen die Aktion Rote Hand mit Schüler*innen von zwei Klassen durchführen.

Das waren am ersten Tag die Klasse 9c von der Realschule Kerpen und am zweiten Tag die Klasse HHU5 vom Leo-Statz-Berufskolleg Düsseldorf.

Die Jugendlichen konnten die Abgeordneten über die Situation von Kindersoldaten informieren und ihre Besorgnis mitteilen, dass zu wenig für sie getan würde.

Die Aktion fand an den beiden Tagen zwischen 11 Uhr und 15 Uhr statt.

 

Die Aktion Rote Hand beinhaltet als Kernstück den Rote-Hand-Abdruck auf ein A4-Blatt mit einem Statement zum Thema Kindersoldaten. Die Hände werden mit roter Fingerfarbe gefärbt.

Zusätzlich entsteht ein Transparent, weil jeder Abgeordnete auf einer 50-Meter-Papierrolle einen zweiten Handabdruck setzt.

Mit unseren FLIP-Kameras, die wir schon im Bundestag bei der Aktion Rote Hand 2012 eingesetzt hatten, konnten sie ihre Interviews aufnehmen. Und natürlich haben sie von jedem der Politiker*innen die Rote Hand erbeten – auf ein eigenes Aktionsblatt ebenso wie auf einem Transparent, das dann anschließend vor dem Landtag präsentiert wurde.

 


Wie es dazu kam

Die Möglichkeit zur Aktion im Landtag hatte eine Vorgeschichte: Im Herbst 2013 hatte FRIEDENSBAND in einer Düsseldorfer Realschule eine Workshop-Reihe zum Thema Kindersoldaten und Gewalt durchgeführt und zum Abschluss Landtagsabgeordnete eingeladen. Es kamen Marion Warden von der SPD und Frank Herrmann von den Piraten.

Beide waren von dem Enthusiasmus der Jugendlichen so begeistert, dass sie sie in den Landtag einluden – zum internationalen Tag gegen den Missbrauch von Kindern in Kriegen am 12.2.2014. Dort entstand die Idee, zum nächsten Gedenktag 2015 eine große Aktion im Landtag durchzuführen. Da im Februar kein Plenum im Landtag stattfand, hat uns die Landtagspräsidentin die beiden Tage 28. und 29.01.2015 zugestanden.

 


Vorbereitungsworkshop

23.1.15 Die Spannung nach dem Film “Ich habe getötet” war zum Greifen spürbar. Die Jugendlichen in der Klasse 9c der Realschule Kerpen bereiteten wir mit dem Film auf ihren Auftritt im Landtag Nordrhein-Westfalen vor. Nächste Woche wollen sie dort die Abgeordneten ansprechen und davon überzeugen, dass sie mehr für die Kinder in Kriegen machen müssen.

Mit unseren vier Bildern von Kindersoldaten in der NS-Zeit haben wir an dieses dunkle Kapitel erinnert. Die Jugendlichen waren sehr bestürzt zu erfahren, dass auch aus Nordrhein-Westfalen Kinder “freiwillig” in den Krieg nach Syrien oder dem Irak gehen.

 


Die Landtagsaktion 28. und 29.01.2015

An diesem Tag übernahm die bestens vorbereitete Klasse 9c der Realschule Kerpen die Ansprache der Abgeordneten. In den letzten drei Jahren hatten sie bereits als Aktivgruppe von FRIEDENSBAND viele Aktionen von uns durchgeführt.

Die 28 Schüler*innen hatten unterschiedliche Aufgaben: Einige mussten den Aktionstisch im Foyer des Landtages betreuen und dort den Politikern erklären, dass sie mit einem Aufruf und ihrem Handabdruck ihr “Nein” gegen Kindersoldaten ausdrücken konnten. Die Hände der Politiker mussten natürlich auch mit roter Fingerfarbe eingestrichen werden. Andere gingen mit Flyern durchs Foyer, sprachen die Politiker an und schickten sie zum Aktionstisch. Wieder andere hatten Videokameras und interviewten Politiker zum Thema “Kindersoldaten”.

So kamen die Schüler*innen auch mit Minister*innen und sogar mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ins Gespräch. „Alle waren sich einig: Die Politiker waren ausnahmslos richtig nett und haben sich trotz eines anstrengenden Plenartages Zeit genommen.” So beschrieb Bettina Henke, Lehrerin der Klasse 9c den Aktionstag.

Auch ein vorbeikommender Polizeibeamter ließ es sich nicht nehmen, die Aktion zu unterstützen.

 

Auch wir konnten mit vielen Abgeordneten Gespräche führen. Uns ging es parallel zur Aktion darum, dass die Abgeordneten in ihren Wahlkreisen die Aktion Rote Hand weiterempfehlen. Das einige das in die Tat umsetzen, glauben wir in jedem Fall – zu authentisch und überzeugend waren die Jugendlichen in ihren Aussagen. Und viele erkannten sicherlich, wie wertvoll eine die Aktion Rote Hand für die Jugendlichen selbst hat, weil sie alles, was sie im Bereich Gewalt beschäftigt, hinterfragen konnten.

Neben vielen Abgeordneten freute uns auch die Teilnahme von Norbert Killewald (Bild rechts), weil er im Vorstand des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sitzt und damit unsere Partnerorganisation vertrat. Ihn kannten die Jugendlichen bereits, weil er als Experte in unserem Projekt “Politik in Aktion” die Jugendlichen begleitete.

Die Jugendlichen waren besonders gespannt darauf, Landtagspräsidentin Carina Gödecke  kennen zu lernen, weil sie mit ihr bereits einen weiteren Termin hatten:  Bereits am 12. März wird Carina Gödecke diese Klasse in Kerpen besuchen, weil sie das FRIEDENSBAND-Projekt “Politik in Aktion” unterstützen möchte, das wir zusammen mit der 9c anstoßen wollen.

An diesen beiden Tagen ist viel getan worden für ein neues Politikverständnis bei den Jugendlichen, aber bei vielen Abgeordneten ist auch eine Achtung vor der Ernsthaftigkeit der Jugendlichen entstanden, mit der sie ihre Informationen und Forderungen vorbrachten.

 

FRIEDENSBAND hatte von der Gesamtschule Bad Oeynhausen 880 rote Hände zugeschickt bekommen mit der Bitte, sie einer Politikerin oder einem Politiker zu übergeben.

Es war eine gute Gelegenheit für Günter Haverkamp dies umzusetzen und sie mit vielen roten Händen aus unseren Workshops in Düsseldorf an Oliver Keymis weitergegeben.

 

 

Die am 2. Tag gemeinsam mit der Schulklasse des Berufskolleg Leo Statz in Düsseldorf gesammelten roten Hände konnte die Lehrerin Jehan Abushihab übergeben.

Sie ist gleichzeitig die Jugendreferentin von Amnesty International Düsseldorf und übergab die in den letzten Monaten gesammelten roten Hände dem Landtagsvizepräsidenten Oliver Keymis.

 

 

Alle waren mächtig stolz auf die vielen roten Hände, die sie gesammelt haben und ihren Mut, offen auf die Politiker*innen zuzugehen und sie anzusprechen. Das ist für Jugendlichen schon eine tolle Leistung.

Neben den roten Händen, die die Abgeordneten auf A4-Blätter mit ihrer Botschaft gedrückt hatten, entstand auch mit einem zweiten Aufdruck ein langes Banner, dass sich gut für ein Abschlussfoto eignete.

Oben das Transparent des ersten Tages mit der Klasse 9c aus Kerpen. Links das Transparent des zweiten Tages mit der Klasse HHU5 aus Düsseldorf.

Alle Jugendlichen fanden, dass der Landtag ein  guter Gastgeber war. Auf der Webseite des Landtags wurde die Aktion sehr schön dargestellt

 

 

 


Übergabe der Roten Hände

Bei ihrem Besuch in der Realschule Kerpen nahm Nordrhein-Westfalens Landtagspräsidentin Carina Gödecke die Roten Hände entgegen, die die Schulklasse im Januar im Landtag gesammelt hatten. Sie versprach, sie dem Bochumer Bundestagsabgeordneten Axel Schäfer zu geben. Der solle es dann mit nach Straßburg oder Brüssel nehmen.

 

Weitere Bilder der beiden Aktionstage: