Beim Schießunterricht werden die Jungen von erfahrenen Frontkämpfern ausgebildet. Quelle: Bundesarchiv

Wenn wir von Kindersoldaten sprechen, denken wir meist an afrikanische Länder und sehen die Bilder der Kinder beim IS vor Augen. Aber die wenigsten denken dabei an Deutschland. Wir sind aber kulturell nicht darüber erhaben.

Was sich aber im 1. und im 2. Weltkrieg in Deutschland abgespielt hat, unterscheidet sich kaum von der Situation der heutigen Kindersoldaten weltweit.

Im 2. Weltkrieg haben sich zahllose Jugendliche freiwillig zum “ehrenhaften Kampf” gemeldet. Naiv und mit stolzgeschwellter Brust gingen sie in meist schon längst verlorene Gefechte: Der Aufruf an die deutsche Jugend ging einher mit der Erkenntnis, dass dieser Krieg verloren ist.

Das ist wie überall auf der Welt: Je länger ein Krieg dauert, desto größer wird die Anzahl der Kinder, die die Lücken an der Front füllen müssen. Der Wert dieser Kinder nimmt immer mehr ab. Sie werden in Situationen gezwungen, in die kein erwachsener Soldat geschickt würde.

 

Die kaufmännischen Schulen Rheine haben ein Projekt gegen Kindersoldaten angeboten. Im Rahmen des Projektes haben die Schüler*innen eine Ausstellung organisiert um den anderen das Thema näherzubringen. So haben wir uns die Einbindung der A3-Plakate in den Unterricht vorgestellt!

 

Kindersoldat oder Hitlerjunge?

Auszeichnung von Hitler-Jungen, die sich bei den Luftangriffen auf Hamburg wie Soldaten bewährten. Aufnahme: Reichsbildstelle der HJ/Soltmann, Quelle: Bundesarchiv

Immer wieder wird um die Definition gerungen, ob ein Kind in einem bewaffneten Konflikt ein Kindersoldat ist oder nicht. Immer wieder wird versucht, die Rolle der Kinder zu verharmlosen.

Die Wortwahl im Falle des Zweiten Weltkrieges klingt entsprechend: Hitlerjungen , Flakhelfer, Luftwaffenhelfer.

“Die Panzerfaust war ein geeignetes Instrument in der Hand der künftigen Kindersoldaten – die Ausbilder wiesen ausdrücklich darauf hin und priesen dies als einen besonderen Vorzug, den frühere Generationen nicht gehabt hätten – schon in jungen Jahren, bei erfolgreichem Einsatz, zu militärischen Ehren zu kommen: Nach mehreren Abschüssen feindlicher Panzer war das Eiserne Kreuz sicher.” Bote von Haßgau, 4.11.08

 

Auch hier ein Teil der Ausstellung der kaufmännischen Schulen Rheine zu den Kindersoldaten im 2. Weltkrieg.

 

Auszeichnungen

9.3.1945 – Deutsch-Sowjetische Front: Reichspropagandaminister Goebbels begrüßt in Lauban (Niederschlesien) den mit dem EK II ausgezeichneten 16jährigen Willi Hübner, der sich während der Kämpfe um die Stadt “bewährt” hat. Quelle: Bundesarchiv

Es gab bis in die letzten Tage Auszeichnungen, mit denen der Mut und die Kampfbereitschaft der Jugendlichen gepriesen wurden. Natürlich verfehlten die Ehrungen nicht ihre Wirkung – auf die Jugendlichen wie auf die Eltern.

Die Kindersoldaten in der Armee spornten die erwachsenen Soldaten an, um so stärker zu kämpfen, um diese Kinder zu schützen.

Andererseits waren die Kinder so unerfahren, dass sie in jede gefährliche Situation hineingingen, wo Erwachsene sich zurückgehalten hatten.

Wo die Kindersoldaten hingingen, blieben die Erwachsenen aber nicht zurück, weil sie sie nicht im Stich lassen wollten. Ein perfides Doppelspiel.

 

Ausstellung

2. Weltkrieg / 1944/45 – Hitlerjugend / Jugendliche bei Aufräumungsarbeiten nach Bombenangriff vor der Ruine. Quelle: Bundesarchiv

Wir haben vom Bundesarchiv diese vier Bilder erhalten, um in Schulen und Jugendeinrichtungen eine Ausstellung zu ermöglichen, die die Jugendlichen selbst gestalten könnten.

Neben die vier A3-Fotos können sie schreiben, was ihnen dabei in den Sinn kommt, auch in Bezug auf das eigene Leben. Es kann eine Verarbeitung sein für die aus Filmen und Spielen übernommenen Gewaltfantasien.

Die Bilder finden Sie im Online-Shop.