Dafür war es Juden verboten, sowohl in den Großstädten des Gebiets zu leben (wie Kiev,
Sewastopol), wie auch in den ländlichen Gebieten. Damit war der Lebensraum der Juden nur
noch in ihren Schtetl, den jüdischen Kleinstädten oder Stadtteilen, erlaubt.
Die Armut wuchs ständig – Juden mussten in der Regel von Kleinhandel oder Handwerk leben.
Antijüdische Gesetze wurden erlassen, zum Beispiel das Kantonistengesetz im Jahr 1827. Da-
nach wurde ein Kontingent jüdischer Kinder zur Zarenarmee zwangsweise eingezogen. Diese
Kindersoldaten verschwanden dann für 25 Jahre und waren bei ihrer Rückkehr dem Judentum
und ihren Familien entfremdet. Die Gemeinden waren selbst für die Zuführung der Kinder zur
Armee verantwortlich. Um genügend Kinder zur Verfügung stellen zu können, mussten Kidnap-
per, Chapper genannt, eingestellt werden.
Trotzdem verschwanden die Juden nicht, wie erhofft. Dafür aber entbrannten zwischen 1881
und 1919 mehrere Pogrome (Russisch für »Verwüstung«). Diese führten zu einer riesigen Aus-
wanderungswelle, vor allen nach Amerika. Obwohl zwei Millionen Juden Russland verließen,
befanden sich 1914 immer noch etwa fünf Millionen Juden im Siedlungsrayon. Die Oktober
revolution verursachte mehrere Massaker an Juden bis 1920. Mehr als 30.000 Juden starben.
Während des Zweiten Weltkriegs war das Gebiet Schlachtfeld zwischen Nazi-Deutschland
und Russland. Im Holocaust wurden fast alle übrigen Juden des ehemaligen Siedlungsrayons
durch einzelne Massaker und dann organisiert ermordet.